7. März 2017

„Rathaus-Blues“ zum Ausklang der Narretei

Die Bernauer LINKE inszenierte mit großem Erfolg den 8. Politischen Aschermittwoch (PAM)

Das „Ofenhaus“ war wieder voll besetzt als die Linksfraktion mit ihrem künstlerischen Leiter, Dr. Korczak, und mit Unterstützung des Stadtverbandes ihren traditionellen PAM zelebrierte. Dies ließen sich auch die Präsidentin des Landtages, Frau Stark (SPD), der Bürgermeister A. Stahl, der Bundestagsabgeordnete H. Petzold und andere prominente Gäste, darunter von Bündnis90/Grüne, der CDU und dem Bündnis für Bernau, nicht entgehen.

In ihrer Begrüßung verwies die Fraktionsvorsitzende, Dr. Dagmar Enkelmann, darauf, dass es immer wieder genug Themen gebe, die es aufzuspießen gelte. Vor allem ging es an diesem Abend natürlich um den nachfolgenden Bürgerentscheid über den Bau eines neuen Verwaltungsgebäudes. In einer Szene wurde z. B. der Zweck dieser Initiative der Unabhängigen als Versuch dargestellt, den Baustart weiter zu verzögern, um letztlich selbst das Amt des Stadtoberhaupts besetzen zu können. Und auch „Rumpelstilzchen“, das sich zum Schluss als Péter Vida outete, gab sich als „größter Vollstrecker des Volkswillens in Bernau“ und Initiator verschiedener Bürgerbefragungen. Das Votum gegen das neue Rathaus wolle er dadurch gewinnen, dass er den Leuten genau das erzähle, „was sie hören wollen“. Als nächstes Projekt fasse er die Schließung der Abwasserdruckleitung ins Auge. Auf die Frage nach den möglichen Folgen bekannte er freimütig: „Mir doch scheißegal“. D. Enkelmann wiederum sang das Lied „Ich bau Dir ein Schloss so wie im Märchen …“ mit verändertem Text und setzte Bürgermeister Stahl eine Krone auf. Gut kam auch der Spendenaufruf „Ein Herz fürs Rathaus“ an. Danach leide Bernau Not und der Bürgermeister müsse schon aufs Dienstfahrrad umsteigen, während in der SVV bereits Wasser statt Sekt ausgeschenkt werde und die Mitarbeiter der Stadtwerke auf stromerzeugenden Hometrainer trampeln.

Doch auch die Landespolitik, insbesondere die geplante Verwaltungsstrukturreform, war Zielscheibe des Spotts. Im Rückblick auf die Reformen 1993, 2001 und 2003 erinnerten die Protagonisten an die Worte: „Wir bauen auf und reißen nieder, so haben wir Arbeit immer wieder“. Auch die „Nachrichtensprecherin“ berichtete über erste Opfer der Gebietsreform. Die Sparkasse schließe die Filialen und gehe zum „Kundentransfer“ über.

Nicht zuletzt wurden die politischen Konkurrenten durch den Kakao gezogen, etwa als die „Krawattenmänner“ vom Bündnis für Bernau um die Farben ihrer Schlipsstreifen stritten, ob rot-grün oder schwarz-grün besser wäre. Man entschied sich, dass dies letztlich egal sei, weil man sowieso „alle Themen streifen“ wolle. Für die SPD musste Herr Keil herhalten, der als Luther-Nachfolger 115 Thesen an die Rathaustür schlagen wolle, darunter These 57: „Herr, hab Erbarmen und rette die SPD“.

Höhepunkt aber war zweifellos die vom Kreisvorsitzenden Sebastian Walter gehaltene Büttenrede. Schon seine Anrede – „Liebe Verschwenderinnen und Verschwender …“ führte zu Gelächter, das bei den Worten mit Bezug auf den Rathausbau - „Prunkschloss mit goldenen Türen und Fenstern“ – mit Beifall ergänzt wurde. Ein weiteres Thema war der „Heilsbringer“ der SPD, Martin Schulz, mit dem die Partei die Probleme lösen möchte, die „wir ohne sie gar nicht gehabt hätten“. Aber auch die Barnimer CDU verfolge ein „modernes Arbeitsbeschaffungsprogramm“, indem Probleme organisiert werden und man sich dann „an die Spitze der Gegenbewegung“ stelle, wie es Jens Köppen (MdB) z. B. beim Thema Finowkanal tat. Im Weiteren schlug der Redner einen großen Bogen über Donald Trump, die Flüchtlingspolitik, den Pakt mit dem „Despoten am Bosporus“ bis hin zum „bösen Russen“, der an allem „schuld“ sei.

Es war ein äußerst kurzweiliger Abend, der mit donnerndem Applaus für die Akteure endete. Man sollte sich schon jetzt den 16. Februar 2018 merken, den Termin des 9. PAM.
W. Kraffczyk
(Fotos für Diashow - Start per Mausklick - von F. Müller und W. Kraffczyk)

Hinweis: Videomitschnitte unter https://www.youtube.com/watch?v=w1EPa4L_XeU