10. Mai 2018

8. Mai –Symbol der Hoffnung auf Befreiung von Unterdrückung und auf Frieden

Dass der 8. Mai auch nach 73 Jahren als Tag der Erinnerung an das Ende des 2. Weltkrieges lebendig begangen wird, zeigte sich auch in diesem Jahr an verschiedenen Orten im Barnim. In Bernau hatte der Stadtverband der LINKEN die Gedenkveranstaltung am Ehrenmal für die gefallenen Soldaten der Roten Armee organisiert, an der gut 200 Bürger*innen teilnahmen, darunter auch Personen mit Migrationshintergrund.

Am Denkmal für die gefallenen Soldaten der Roten Armee. In der 1. Reihe des Zuges (v.l.n.r.): D. Enkelmann, Vorsitzende der Linksfraktion, H. Bossmann, Vorsitzende der SVV, M. Waigand, stellv. Bürgermeisterin, und D. Rabe, linker Stadtverordneter
Mitglieder des Stadtvorstandes der LINKEN legen Blumengebinde am Denkmal nieder.
Kreis- und Stadtvorsitzender T. Sohn (r.) hielt die feierliche Gedenkrede.

In seiner Rede verwies Thomas Sohn, Vorsitzender des Kreis- und Stadtverbandes der Partei, auf die entscheidende Rolle der Roten Armee und den Einsatz der West-Alliierten bei der Zerschlagung des „historisch einmaligen Terrorregimes“. Es sei erschreckend, so der Redner, dass „auch nach 73 Jahren von einigen Kreisen in der Bundesrepublik und der Welt“ die Ursachen des Krieges und des Leids umgedeutet werden und sich die Frage nach Krieg und Frieden heute erneut stellt. Massive Aufrüstung und Hetze, militärische Einmischung in innere Angelegenheiten anderer Staaten, Völker und Volksgruppen, politische und wirtschaftliche Sanktionen und nicht zuletzt der Bruch völkerrechtlicher Abkommen widersprechen dem Wunsch nach Frieden. Gerade Deutschland sei aufgrund seiner Vergangenheit verpflichtet auch und vor allem zu Russland seine Beziehungen auf eine friedliche Basis zu stellen.

Etwas später hielt der Vertreter der russischen Botschaft Alexander Schamschurin, 3. Sekretär der Wirtschaftsabteilung, eine kurze Ansprache des Gedenkens ...
... und legte gemeinsam mit T. Sohn einen Kranz nieder.
Am Deserteur-Denkmal

Die zweite Station der Gedenkveranstaltung war wie in den Vorjahren das Deserteur-Denkmal an der Stadtmauer. Hier erinnerten Mitglieder der evangelischen Jugend mit Gedichten, Gesang und Vorlesungen an jene Menschen, die sich dem Völkermord entzogen und dies mit ihrem Leben bezahlten.

Anschließend sorgte der Jugendclub „Dosto“ mit einem „Friedensessen“ in der Bürgermeisterstraße für das leibliche Wohl der Teilnehmer an der Gedenkveranstaltung sowie für Gelegenheit zum Gedankenaustausch.

Valid (r.) sang Lieder und berichtete über seine Flucht nach Deutschland über die Balkanroute.

Laut gegen Krieg - Bomben schaffen keinen Frieden!
Unter diesem Motto fand zum Abschluss des symbolträchtigen Tages in der Bernauer Galerie ein von der LINKEN organisiertes Forum zum Krieg in Syrien und zur Lage im Nahen Osten statt. Eingeladen dazu war Jan van Aken, ehemaliger Bundestagsabgeordneter der LINKEN und UN-Waffeninspekteur, sowie Geflüchtete aus Syrien und anderen Staaten.
Valid aus Afrin eröffnete den Abend mit einem kurdischen Lied und berichtete über seine abenteuerliche Flucht vor 2,5 Jahren über die Balkanroute nach Deutschland. Auch im weiteren Verlauf griff er mehrmals zu seiner Gitarre, deren Spiel er erst hier in seiner neuen Heimat erlernen konnte.
Jan van Aken ging dann auf die Frage nach einem Ende des Syrienkrieges ein. „Es sieht nicht gut aus“, meinte er. Mit dem Einmarsch türkischer Streitkräfte in den syrischen Norden gebe es einen Übergang von einem Stellvertreterkrieg zum Konflikt mit direkter Beteiligung von Staaten. Er erinnerte daran, dass der syrische Staatspräsident Assad 2012 für Friedensgespräche plädierte und seinen Rücktritt nach erfolgreichen Verhandlungen für 2014 angekündigt hatte. Das habe der Westen abgelehnt offensichtlich in der Hoffnung, dass die unterstützten oppositionellen Kräfte die Oberhand gewinnen würden und es zu einem „Regime-Change“ kommt. Diese Strategie ging nicht auf. Auch Deutschland habe auf die Falschen gesetzt. Ungeachtet dessen gehen die deutschen Rüstungsexporte in die Türkei und Saudi Arabien weiter.

Einen Zwischenruf aus dem Publikum, dass das Assad-Regime doch eine Art Stabilitätsfaktor sein könnte, ließ van Aken nicht gelten. „Eine Autokratie bietet nur Scheinstabilität“, zeigte sich der Redner überzeugt. Das Regime habe mit harter Hand regiert und sei ebenso gegen die kurdische Bevölkerung vorgegangen. Fassbomben-Angriffe gegen die „Rebellen“ und je ein nachgewiesener Clorgas- bzw. Saringas-Einsatz der Regierungstruppen hätten vor allem viele zivile Opfer gefordert. Insofern sei eine friedliche Zukunft Syriens mit Assad an der Spitze nicht denkbar.
Zugleich kritisierte van Aken die völkerrechtswidrigen Angriffe westlicher Staaten auf Syrien. Die Geschichte habe gezeigt – nicht zuletzt im Irak -, dass das Eingreifen von außen meist zu einem Desaster führt. Finanzielle Unterstützung und Waffenlieferungen an oppositionelle Gruppen hätten letztlich eine „Ökonomisierung des Krieges“ bewirkt und zum Erstarken des IS beigetragen.
Hoffnung mache dagegen die Tendenz zur Entwicklung der Selbstverwaltung, wie sie insbesondere in den kurdischen Gebieten zu beobachten sei. Dort organisiert man sich in einer Art von „Räterepublik“. Dabei ginge es nicht um Abspaltung von Syrien. Vielmehr möchten sie Teil eines demokratischen Syriens sein. Dies wird vom Westen als „PKK-Gebiet“ verunglimpft.

Jan v. Aken bei seinen Ausführungen über den Syrienkonflikt - emotional leidenschaftlich und zugleich sachlich in der Wortwahl.
Die Teilnehmer lauschten interessiert den Aussagen und vertieften die Diskussion durch gezielte Fragen.

Abschließend wagte der Redner auf Anfrage aus dem Publikum einen Ausblick auf die europäische Entwicklung in den nächsten 20 Jahren. Er glaube an ein ernsthaftes Interesse des Westens an kooperativen Beziehungen mit Russland. Vor allem ökonomische Überlegungen bis hinein in die CDU-Mittelstandsvereinigung könnten über kurz oder lang die Oberhand gewinnen. Selbst das Großkapital könne nicht an einem großen Konflikt interessiert sein.
Innenpolitisch gelte es, dem Rechtsruck konsequent entgegenzuwirken und eine „Normalisierung der AfD“ zu verhindern. Dann könnte es in 10 Jahren in Deutschland andere politische Mehrheiten („Mitte-Links“) geben. Im Gefolge wäre dann auch die Etablierung einer neuen Sicherheitsarchitektur in Europa, bis hin zur Auflösung der NATO, denkbar.

Das Fazit: Es war ein bewegender Tag, der nicht nur an das Morden in ferner Vergangenheit und Gegenwart, an Gefahren und Fehlentwicklungen erinnerte, sondern auch Hoffnung auf eine friedliche Zukunft, machte.

W. Kraffczyk