19. Oktober 2010

Löst der Eichwerder Ring die Eberswalder Verkehrsprobleme?

Eberswalde hat viele Verkehrsprobleme. Eines davon ist die Verkehrsführung in der Altstadt. Durch den bandartigen Charakter der Stadtstruktur wird jeglicher Verkehr direkt durch die Stadt geleitet.

Seit vielen Jahren versuchen die Stadtplaner das Problem zu „entschärfen“. Ein kleiner Lösungsansatz ist die Umgehungsstraße in Form der B 167 neu – doch wann diese tatsächlich gebaut wird, ist immer noch unklar. Klar ist hingegen, dass diese Straße nicht alle Probleme lösen wird. Über 80 % der Verkehre haben ihren Ursprung oder ihr Ziel direkt in der Stadt – da hilft die Umgehungsstraße also kaum. Deshalb gibt es auch noch einen Verkehrsentwicklungsplan. Es soll den Fahrzeugverkehr entsprechend seines Zieles auf mehrere Straßen verteilen. Ausgebaut dafür wurden schon die Goethestraße, die Heinrich-Heine–Straße und die Lessingstraße, also die westlichen Umfahrungen der Altstadt. Doch der Verkehrsentwicklungsplan beinhaltet auch eine östliche Umfahrung. Eine Umfahrung über die Eichwerder Straße, die Marienstraße und die Bollwerkstraße – im Plan kurz als Eichwerder Ring bezeichnet. Und gerade an diesem Ring scheiden sich die Geister.

Ist diese Neuordnung der Verkehrsführung eine Entlastung für die Breite Straße und damit direkt für das Stadtzentrum mit Marktplatz, Rathaus und Paul-Wunderlich-Haus, so befürchten die Anlieger an den Straßen des Ringes eine enorme Zunahme der Verkehrsbelastung.

Realistisch die Argumente der Gegner und Befürworter gegenübergestellt ergibt sich folgendes Bild:

  • der Gesetzgeber verlangt Gegenmaßnahmen bei Überschreitungen der Grenzwerte von Feinstaub- und Lärmbelastungen; die vorliegenden Überschreitungen im Stadtgebiet kann der Eichwerder Ring nicht vollkommen kompensieren, aber in Teilgebieten mindern
  • durch die geänderte Verkehrsführung wird die Innenstadt weiter teilweise vom Verkehr entlastet; die Aufenthaltsqualität und Sicherheit – insbesondere für Fußgänger - verbessert sich
  • die Eichwerder Straße und die Marienstraße benötigen auch ohne die Funktion der zentrumsnahen Umfahrung dringend eine Straßensanierung; Straßenschäden und ein Baugrund, der die vorhandenen Verkehrslasten nicht aufnehmen kann, führen zu Lärm und Beschädigungen an den Gebäuden
  • durch die geänderte Straßenklassifizierung wird der Anteil für den Straßenausbaubeitrag, den die Grundstückseigentümer zu zahlen haben, prozentual geringer; andererseits steigen aber die Gesamtbaukosten und damit die Anteile der Eigentümer
  • durch das Bebauungsplanverfahren – im übrigen das erste im Zusammenhang mit einem Straßenausbau – wurde u.a. ein Lärmminderungsplan erstellt, um der Steigerung der Lärmbelastung der Anlieger entgegen zu wirken
  • eine „komplettere“ Lösung wäre, den Eichwerder Ring mit dem Neubau einer weiteren innerstädtischen Entlastungsstraße zu verbinden

Mittlerweilen gibt es Variantenuntersuchungen für eine innerstädtische Entlastungsstraße. Doch die Vorbereitung der bevorzugten Hausbergtrasse benötigt mindestens noch 3-4 Jahre. Niemand weiß heute genau, wie oder unter welchen Bedingungen diese Entlastungsstraße errichtet werden kann. Schließlich führt auch sie nicht durch ungenutztes Stadtgebiet! Natürlich ist auch die Finanzierung dieser Straße bisher ungeklärt.   

Es liegt nun an den Stadtverordneten, eine Lösung zu finden, die alle Betroffenheiten   abwägt. Die Grundstückseigentümer am Eichwerder Ring werden während der Offenlegung des Bebauungsplanes ihre Widersprüche einlegen. Die Abwägung, wie diese Betroffenheiten im Verhältnis zum öffentlichen Wohl und der allgemeinen Verantwortung der Stadt für alle Bürger steht, sollte frei von Befindlichkeiten und persönlichen Angriffen sein.

Konsequent wäre, dass das Land Brandenburg, welches Eigentümer und Baulastträger der vorhandene Bundesstraße – also der Breiten Straße – ist, die Anstrengungen der Stadt unterstützt und im Rahmen seiner Möglichkeiten auch finanziell trägt. 

Karin Wagner