21. September 2011

In Zentralasien unterwegs

Dagmar Enkelmann berichtete über ihre Reiseeindrücke

Dagmar Enkelmann während ihres Vortrages vor dem interessierten Publikum.

Einen interessanten Reisebericht über eine Delegationsreise von Bundestagsabgeordneten in die zentralasiatischen Republiken Tadschikistan und Kasachstan präsentierte Dr. Dagmar Enkelmann im Bernauer Stadtteilzentrum „Südstern“. Dr. Dagmar Enkelmann ist Vorsitzende der Parlamentariergruppe im Deutschen Bundestag, die regen Austausch mit Ländern in Zentralasien pflegt. Dazu gehört ein regelmäßiger Informations- und Erfahrungsaustausch mit Parlamentariern, Treffen mit den Botschaftern und Regierungsdelegationen der Länder Zentralasiens, wozu Kasachstan, Tadschikistan, Kirgistan, Usbekistan, Turkmenistan und auch die Mongolei gehören. Doch nichts, so Dagmar Enkelmann, könne einen Besuch in den Ländern selbst, den persönlichen Kontakt mit den Menschen ersetzen.  „Reisen bildet und es weitet den Blick nicht nur für andere Völker und Lebensweisen, sondern sensibilisiert manchmal auch für Probleme im eigenen Land“, versicherte  sie.

Tadschikistan braucht Entwicklungszusammenarbeit
Auch wenn Duschanbe, die Hauptstadt, wie ein Märchen aus Tausendundeiner Nacht erscheint, gehöre Tadschikistan heute zu den ärmsten Ländern der Region.
Was viele von uns gar nicht wissen: In den 90er Jahren habe es durch den Bürgerkrieg über 100.000 Tote gegeben. Deshalb sei den Tadschiken heute viel an friedlicher Entwicklung und wirtschaftlichem Aufschwung gelegen. Präsident Rachmon habe im  Gespräch mit den deutschen Parlamentariern große Hoffnungen und Erwartungen an Entwicklungszusammenarbeit mit der Bundesrepublik und der EU geäußert. Erste gemeinsame Projekte wie ein Berufsbildungszentrum, ein medizinisches Diagnosezentrum und eine Entbindungsklinik wurden  mit deutschen Entwicklungshilfeorganisationen realisiert. In der Entbindungsklinik mangele es an Baby-Erstausstattungen. Deshalb rief Dagmar Enkelmann dazu auf, solche Babysachen zu spenden. Die Freundlichkeit und Gastlichkeit der Tadschiken bei den Besuchen in Kliniken und Schulen sei überwältigend gewesen. Das Schönste an dem Land aber seien seine selbstbewussten, qualifizierten Frauen, findet Dagmar Enkelmann. Sie hätten es allerdings auch sehr schwer, müssten oft ihre Familien alleine durchbringen. Fast eine Million Tadschiken wurden von Armut und Arbeitslosigkeit außer Landes getrieben, meistens nach Russland. Schon dieser Verlust macht sich in dem nur sieben Millionen Einwohner zählenden Land deutlich bemerkbar. Hinzu kommen die Verluste des Bürgerkriegs von 1992 bis 1997: nahezu 100.000 Opfer – die Mehrheit von ihnen Männer.
 
Kasachstan ist mit Rohstoffen gesegnet, aber leidet an Wassermangel
Kasachstan sei gesegnet mit Rohstoffen wie Erdöl, Kohle, Gold, Kupfer, Mangan, die allerdings oft von ausländischen Konzernen ausgebeutet werden.  Das weite Steppenland, zwischen den Großmächten Russland und China gelegen, die beide in Kasachstans Wirtschaft stark engagiert sind, suche auch die engere Kooperation mit der EU. Die Wirtschaft boomt und man suche händeringend nach Fachkräften. Präsident Nazarbaew  erklärte im  Gespräch mit den Bundestagsabgeordneten, dass man sich freuen würde, wenn deutsche Fachkräfte, die in den 90erJahren aus Kasachstan nach Deutschland abgewandert  seien, wieder zurückkehrten.  Es gebe Fortschritte in der Minderheitenpolitik. So gäbe es heute deutsche Schulen und Zeitungen. In Almaty gibt es eine private Deutsch-Kasachische Universität, die in Kooperation. z.B. mit der FHTW Wildau Fachleute im Maschinenbau ausbildet. Die neue Metropole Astana (früher Zelinograd) glänzt mit einer entwickelten Infrastruktur als moderne Stadt mit  Stahl- und Glaspalästen und einem unglaublichen Blick auf die Bergketten des Altai. Dennoch, auch in Kasachstan gebe es Probleme. Das größte sei die Austrocknung des Landes. Der weltweite Klimawandel und die jahrhundertelange Ausbeutung der natürlichen Quellen und Flüsse der Region für die Bewässerung der Flächen, insbesondere  für den Baumwoll-Anbau,  haben den sensiblen Wasserhaushalt der riesigen Steppengebiete nachhaltig gestört. Eine Katastrophe sei die Austrocknung des Aralsees, der früher das Wasserreservoir für alle fünf anliegenden Länder gewesen sei. Er ist in wenigen Jahren bereits um rund ein Drittel seiner Wasserfläche und seines Wasserreservoirs geschrumpft. Nicht nur im Interesse der Anliegerländer, sondern im Interesse des Weltklimas müsse hier gehandelt werden, so Dagmar Enkelmann. Sie sei deshalb froh, dass die Michael –Succow-Stiftung aus Greifswald sich in Kasachstan in Klima- und Umweltschutzprojekten engagiere und habe sich auch gefreut, dort findige Fachleute aus ihrer Heimatstadt Strausberg zu treffen.

Margot Ziemann