19. September 2011

Zum Leben und Wirken von Prof. Dr. Fritz Behrens

Dr. Dieter Jahnke (l.) während seinen Ausführungen. S.-O. Gemski (r.) moderierte die Veranstaltung.

Es was vor allem Dr. Heinz Schäfers Verdienst, dass in Bernau die vielseitigen Veranstaltungen „Draufsichten – Ansichten - Einsichten“ zu einer geschätzten Reihe wurden.
Gut, dass diese auch nach seinem Tod weitergeführt wird. Die jeweiligen Veranstaltungen vermitteln eben nicht nur Einblicke in ansonsten kaum oder nur schwer zugängliche Fakten. Sie ermöglichen zugleich auch, viele der üblichen Informationen und Darstellungen in den Medien besser  einschätzen zu können und den Blick für künftige Ereignisse zu schärfen. Im Anschluss an die jeweils einführenden Darlegungen der Referenten können dafür in den Diskussionen auch eigene Erfahrungen eingebracht und Meinungen ausgetauscht werden - bisher stets zum Gewinn für alle, die den Weg  zum Treff 23 nicht gescheut hatten.

Das gilt auch für die September–Veranstaltung zum Leben und Wirken eines der bedeutendsten Ökonomen der DDR, Prof. Dr. Fritz Behrens. S.-O. Gemski, Vorsitzender des Stadtverbandes der LINKEN in Bernau, hatte Dr. Dieter Jahnke aus Leipzig als Referent nach Bernau eingeladen. Er ist Mitherausgeber des Buches „Fritz Behrens“ mit Texten von und über Fritz Behrens. Die Titelseite trägt die bezeichnende Aussage: „Man kann nicht Marxist sein, ohne Utopist zu sein …“. Einleitend führen die Herausgeber aus, F. Behrens (1909 – 1980)  „war ganz sicher einer der bedeutendsten marxistischen Intellektuellen der Nachkriegszeit in Deutschland, zählte zu den international renommiertesten Vertretern der politischen Ökonomie in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts … Sein wissenschaftliches Werk, seine Überzeugungen und Aktivitäten, seine diverse Facetten und Brüche aufweisende Biographie liefern bis in die Gegenwart immer wieder Stoff für Analysen, Befragungen und Reflexionen.“ Dazu zitieren sie die Aussage eines seiner Mitarbeiter, Prof. H. Steiners, der als Soziologe und  Wissenschaftshistoriker feststellte, dass das Leben und Werk von F. Behrens „auf eine sehr exemplarische Weise Individuelles und Gesellschaftliches in einer Wissenschaftlerbiographie der DDR aus der Gründergeneration in sich vereinigt“.

So tauchten denn auch in den Ausführungen D. Jahnkes und in der anschließenden Diskussion Formulierugen wie Revisionismusverdacht, innere Emigration, Staatsmonopolismus osteuropäischer Staaten oder auch unzureichend ausgebildete Wissenschaftlichkeit der politischen Ökonomie des Sozialismus auf. Zur Sprache kamen auch die Demokratieproblematik und überflüssige Wörterzusammenfügungen wie „menschlicher Sozialismus“.

Besonders interessant und beeindruckend war die Diskussionen vor allem dadurch, dass einige der Teilnehmer noch mit Prof. Behrens direkt oder mit Persönlichkeiten seines Umkreises zusammengearbeitet hatten. Anhand ihrer persönlichen Erfahrungen legten sie dar, wie sehr sie das ehrliche und aufrechte Verhalten und das verantwortungsbewusste  wissenschaftliche Arbeiten F. Behrens` achten.

Natürlich konnte in der Veranstaltung nur ein sehr geringer Teil der wissenschaftlichen Erkenntnisse F. Behrens` angesprochen werden. Deutlich aber wurde, dass viele davon auch heute noch Bedeutung für die Lösung ökonomischer Fragen haben. So war es diesmal besonders erfreulich, dass Frau Pyrlik wieder entsprechende Bücher aus ihren Schätzen ausgewählt und zu dieser Veranstaltung mitgebracht hatte. Besonders empfehlenswert ist wohl die oben bereits erwähnte Zusammenstellung von Texten von und über F. Behrens. Für „Kenner der Problematik“ vertieft und erweitert sie bereits Bekanntes. Wer sich aber erst einmal hineinlesen möchte, wird zu vielen interessanten Überlegungen und weiteren Schriften geführt.

Ch. u. H. Simon