8. Dezember 2013

Die „Steinerne Renne“ von Bernau

Nun haben wir es also amtlich bestätigt bekommen:
„Dieser ganze Platz ist eine Fehlplanung“, so Wolfgang Arlt von der Führungsstelle der Barnimer Polizei in der MOZ nach regelmäßigen Kontrollen auf dem Bernauer Bahnhofsvorplatz. Eine Erkenntnis, die die Nutzer des Platzes schon seit langem machen und deshalb auch schon seit langem kritisieren. Statt des gewünschten effektiven „Verkehrsplatzes“ herrscht am neuen Bernauer Bahnhofsvorplatz das reine Chaos.

Die Befürchtung, die ich bereits hegte, als ich die Planzeichnungen als Stadtverordnete 2009 zu Gesicht bekam, hat sich leider bestätigt. Von dem von den früheren Baumeistern mit Bedacht gewählten grünen Platz mit Umfahrung ist nur noch eine Verkehrsschneise übrig geblieben – ich nenne sie die „Steinerne Renne“ -, auf der sich die verschiedenen Verkehrsteilnehmer, Busse, Taxen private Autofahrer, Fußgänger und Radfahrer sich auch noch gegenseitig behindern.

Wie konnte es aber dazu kommen?

Die Entscheidung für die Gestaltung des Bahnhofsplatzes hatte bereits die vorige Stadtverordnetenversammlung nach einem Wettbewerbsverfahren beschlossen. Als ich das Thema im Stadtentwicklungsausschuss ansprach, wurde mir bedeutet, dass die Entscheidung für die Planung durch einen Architektenwettbewerb zustande kam, an dem nun nicht mehr zu rütteln sei.
Nach mehreren Anläufen und langem zähen Bemühen gelang es mir mit anderen Mitstreitern in der Stadtverordnetenversammlung, wenigstens noch zu erreichen, dass die „Steinerne Renne“ mit zusätzlichen Bäumen bepflanzt wird. Aber auch das erst, nach dem sich bei den Bauarbeiten heraus stellte, dass die gesamte Planung wohl doch nicht allererster Güte war und zahlreiche Änderungen nötig wurden. Aber das änderte nichts an der grundsätzlichen Fehlkonstruktion des Platzes.

Auch den Bauablauf kann man getrost als eine Geschichte von Pleiten, Pech und Pannen bezeichnen. Erst waren die Borde für die Bushaltestellen falsch berechnet, dann nicht verfügbar bzw. mussten aus China herbeigeschafft werden. Dann stellte sich heraus, dass die Busschleifen zu gering bemessen waren. Schließlich opponierten die Taxifahrer, dass ihre Aufstellflächen zu knapp bemessen sind. Die Kurzzeitparker behindern die Ein- und Ausfahrt der Busse, beschwert sich die Barnimer Busgesellschaft. Die Zufahrt zur Parkpalette führt nun über den breiten Fußgängerbereich. Autofahrer und Radfahrer aus dem Fahrradparkhaus nehmen keine Rücksicht auf die Fußgänger. Das war auch auf der Zeichnung schon sichtbar und zu befürchten. Das Chaos ist also komplett.

Wer aber ist schuld daran? Das fragen sich jetzt viele.

Bürgermeister Handke mochte sich dazu nach Anfragen in der Bürgerfragestunde nicht so recht festlegen und ist um Schadensbegrenzung bemüht. Fakt ist, dass nicht nur Erfolge, sondern auch eine Fehlplanung wie diese viele Väter hat, die sich aber nicht so recht dazu bekennen wollen.
Das betrifft die Planer wie die Jurymitglieder des Wettbewerbes, die diesen Entwurf zur Auswahl empfahlen. Es betrifft aber auch die Stadtverordneten, die diesen Planentwurf wohl zu unkritisch betrachteten und beschlossen. Es sei außerdem darauf verwiesen, dass alle Behörden, die jetzt mühsam nach einer Verbesserung der Verkehrsverhältnisse auf dem Platz suchen, bereits 2007/2008 oder vielleicht noch früher die Pläne auf dem Tisch hatten und fachliche Stellungnahmen dazu abgegeben haben. Das betrifft die Straßenverkehrsbehörde des Kreises, die Polizeidirektion, die Busgesellschaft, das städtische Planungsamt, die Baugehneigungsbehörde des Landkreises und andere.

Was mir als Laien mit gesundem Menschenverstand ins Auge fiel, hätten doch erst recht die Fachleute merken müssen. Oder hat man vielleicht gar nicht so genau hingeschaut?
Eine Schlussfolgerung zumindest, die ich all meinen Kolleginnen und Kollegen in kommunalen Parlamenten gern ans Herz legen möchte: Obacht bei allen Projekten und künftigen Bau-Wettbewerben. Auch Planer sind keine Götter und machen Fehler. Echte Bürgerbeteiligung ist bei allen großen Projekten anzuraten. Denn nicht nur mit dem Zweiten sieht man besser. Sondern: viele Augen sehen mehr.
Und - An allem ist zu zweifeln!

Margot Ziemann, Stadtverordnete, Fraktion DIE LINKE,  Bernau
(Leserbrief zum Artikel „Chaotische Zustände am Bahnhof Bernau“,  Barnim-Echo vom 18.11.13)