9. Mai 2012

8. Mai – Tag des Sieges und der Trauer

Der Kulturattaché mit dem Kranz der russischen Botschaft.
Stadtvorsitzender Thomas Sohn während seiner Rede.
Viele Teilnehmer der Veranstaltung hatten Blumen mitgebracht.
Das Blumengebinde der Panketaler Genossen, das am Denkmal für antifaschistische Widerstandskämpfer niedergelegt wurde.
Die Kranzniederlegung am sowjetischen Ehrenmal in Eberswalde anlässlich des Tages der Befreiung - Symbol der Antikriegshaltung der Bürger.

Mehr als 200 Bürgerinnen und Bürger Bernaus begingen auch in diesem Jahr den Tag der Befreiung vom Hitlerfaschismus mit einer Gedenkveranstaltung am Ehrenmal für die gefallenen Soldaten der Roten Armee. Abermals zeichneten dafür der Bernauer Stadtvorstand und die Stadtfraktion der LINKEN verantwortlich.

Zu Beginn zitierte Genosse Dominik Rabe eindrucksvoll das Gedicht von J. Jewtutschenko „Denkst Du, die Russen wollen Krieg?“ Danach ergriff der Vorsitzende des Standvorstandes Thomas Sohn das Wort. „Wir begehen heute den Tag der Befreiung vom Hitlerfaschismus, einen Tag, an dem Freud und Leid sehr dicht beieinander liegen. Für die Überlebenden der Anti-Hitlerkoalition war es ein Tag des Sieges und des Triumphes, für die Hinterbliebenen der Gefallenen war es auch ein Tag der Trauer und Wut“, begann er seine Gedenkansprache. Die Kriegsopfer sollten Mahnung und Erinnerung daran sein, dass Krieg kein Mittel zur Lösung von Konflikten zwischen Völkern und Religionen sein darf. Leider bestünde die Gefahr, dass unser Kontinent und unsere Welt wieder in ein Kriegsinferno steuern könnten. In diesem Zusammenhang erinnerte der Redner an die Spannungen um Iran und Korea sowie an den fortgesetzten Krieg in Afghanistan. Er hob hervor: „Wir LINKE stehen für eine gewaltfreie Welt, für die Lösung von Problemen der Völker mit friedlichem Mitteln, es darf keinen Krieg mehr geben, es darf keine Mutter mehr Ihren Sohn beweinen.“
Zugleich verwies der Redner darauf, dass die Wurzeln des Nationalsozialismus noch vorhanden sind und es immer wieder vor allem junge Menschen gibt, die sich von den Bauernfängern der rechten Szene einfangen lassen. In Bernau werde mit dem Netzwerk für Toleranz und Weltoffenheit, welches jetzt schon seit vielen Jahren gemeinsam gegen rechtes Gedankengut und Gewalt auftritt, eine adäquate Antwort gegeben. Sie sei unsere Art des Gedenkens der Opfer des 2. Weltkrieges.
In seiner Ansprache betonte anschließend der Kulturattaché der russischen Botschaft, dass sich die russisch-deutschen Beziehungen nach bitteren Erfahrungen in der Vergangenheit grundlegend geändert hätten und sich im Aufschwung befinden.

Danach folgten eine weitere Gedenkveranstaltung am Deserteurs-Denkmal sowie ein Friedensfest-Essen auf dem Marktplatz.

Auch in anderen Städten und Gemeinden im Barnim fanden sich die Mitglieder der LINKEN zu Kranzniederlegungen und Gedenkveranstaltungen anlässlich des 67. Jahrestages des Kriegsendes zusammen. So wurden auch in Panketal Blumen am Denkmal für antifaschistische Widerstandskämpfer niedergelegt. Während der Gedenkveranstaltung, an der auch der Bürgermeister R. Fornell teilnahm, hielt Genosse Jürgen Elsner eine Rede. Darin verwies er auf das Wiedererstarken des Imperialismus nach seiner größten Niederlage im Mai 1945, auf dessen gewechselte Strategie bei unverändertem Wesen. Das fortwährende Renditestreben als Triebkraft des Kapitalismus führe nicht nur zu neuen Formen der Aggression, sondern zerstöre auch die Umwelt. „Der gordische Knoten des Zukunftsproblems der Welt ist auf kapitalistische Weise nicht zu lösen“, stellte er zugleich fest. Er schlussfolgerte abschließend: „Die Sicherheit und Perspektive der Erde und der menschlichen Gesellschaft … liegt nicht im Verbrauch und Aufbrauch der materiellen Ressourcen, … sondern in der wohlbilanzierten, sowohl effektiven wie nachhaltigen Nutzung der Natur zur sozialen und kulturellen Entwicklung des Menschen.“

In Eberswalde bekundeten rund 80 Bürger, vor allem Spätaussiedler sowie Genossen und Genossinnen der Stadt, ihre antifaschistische Haltung - darunter eine auffällig hohe Anzahl an Kindern. Auf Beschluss der Stadtverordnetenversammlung werden in diesem Jahr zwei weitere Stelen aufgestellt, die neu nachgewiesene Namen im Krieg gefallener sowjetischer Soldaten aufzeigen.

W. Kraffczyk