11. März 2014

Aufs Korn genommen …

Christian Rehmer begrüßte die Gäste.
Blick in den voll besetzten Saal des "Ofenhaus".
Dagmar Enkelmann begründete die Kreativität des WAV anhand eines Rechenbeispiels.
Kreisvorsitzender Sebastian Walter verlas die Nachrichten von "Bernau aktuell".
Die "Sonne" Bernau und ihre Trabanten.

… hat die Bernauer LINKE bei ihrem politischen „Ascherfreitag“ am 7. März im voll besetzten „Ofenhaus“ kleine und große Missstände in ihrer Heimatstadt. Unter der Leitung von Christian Rehmer, der Jürgen Poppitz als bisherigen Redakteur und künstlerischen Leiter ablöste, wurde das Ensemble vor allem aus aktuellen und vielleicht zukünftigen Mitgliedern der Stadtfraktion in der SVV gebildet, das durch Sketche und Gesang die Besucher, darunter Bürgermeister Hubert Handke und Vertreter der politischen Konkurrenz, begeisterte.

Das Programm stand unter dem Motto „KommunalQualen 2014“ und griff Themen auf, die sicher in den anstehenden Kommunalwahlen eine Rolle spielen werden. Ganz oben in der Rangliste: die Altanschließerbeiträge. Schon im ersten Sketch wurde der Misserfolg eines Infostandes präsentiert, weil die Passanten sich ausschließlich für den Weg zur Dienstagsdemo interessierten. Wenig später verdeutlichte Fraktionsvorsitzende Dagmar Enkelmann die „Kreativität“ des WAV Panke/Finow bei der Berechnung der Beiträge durch allerlei Zuschläge. Und auch im weiteren Verlauf des Abends wurden immer wieder Pfeile in Richtung Altanschließerbeiträge abgeschossen, etwa als Dagmar Enkelmann und Dominik Rabe zur Melodie eines bekannten Schlagers „Immer wieder dienstags geh ich zur Demo hin“ sangen. Überhaupt überzeugte Dominik, der jüngste Kandidat für das Stadtparlament, wie schon im Vorjahr mit seinen Gesangseinlagen.

Weitere Themen des Programms waren der nicht enden wollende Ärger um den Bahnhofvorplatz, die Errichtung „neuer Mauern“ mit Blick auf das Mühlentor und die Diskussion um die Belebung des Einzelhandels in der Innenstadt. Ein Höhepunkt des Abends war der Diskurs zwischen der „Sonne“ (Bernau) und ihren „Planeten“ „Börni“, Schöni“, „Lobi“ und „Ladi“ sowie dem neuen Trabanten „Birki“. Während die Ortsteile ihr Leid über vermisste Aufmerksamkeit klagten, bekundete Dagmar Enkelmann als „Sonne“ gesanglich, dass sie nur „auf Mauern eingestellt ist und sonst gar nichts“.

Als Nachrichtensprecher des Abends von „Bernau aktuell“ sprang der Kreisvorsitzender der „LINKEREN“, wie die eigene Truppe genannt wurde, Sebastian Walter, in die Bütt. In kurzen Meldungen wurde der Finger auf weitere Wunden gelegt, z. B. bei der Information, dass die Auflösung des Seniorenbeirates beschlossen worden sei, weil dessen Altersdurchschnitt nicht höher als der der SVV sei. Die politische Konkurrenz wurde ebenso verspottet wie die eigene Partei. Während die SPD eine Beitragsnachveranlagung von ihren Mitgliedern seit 1991 verlange, setze CDU-Stadtvorsitzender „Loreal“ wie auch Bürgermeister „Branzke“ auf das Prinzip Merkel – links blinken und standhaft bleiben. Zudem wurde aus einem Brief der indonesischen KP an den Landesvorsitzenden der „LINKEREN“ Christian Görke zitiert, die sich für die Kohlepolitik und daraus resultierende Folgen für Indonesien – das Land geht unter – bedankt. Und in der Spätausgabe von „Bernau aktuell“ heißt es gar: Parallelen zwischen der AfD und der „LINKEREN“ gebe es durchaus: im Altersdurchschnitt der Mitglieder, nicht aber hinsichtlich der EU-Skepsis.

Als Gast des Abends wurde Tino Eisbrenner herzlich begrüßt. Er gab mehrere Kostproben aus seinem aktuellen Bühnenprogramm „Haifischtour“ mit Liedern und Texten von Berthold Brecht. Unter anderem sang er „Ich beobachte dich“, wobei es, anders als der aktuelle NSA-Spionageskandal vermuten lässt, schlicht um Liebe geht.

Nach gut 90 Minuten hatten die Akteure sicher auch den letzten Besucher überzeugt und konnten den verdienten, lang anhaltenden Beifall genießen. Wahrscheinlich hat sich der eine oder andere Besucher bereits den Termin des nächsten politischen Aschermittwochs, dann schon der 6., notiert: Am 20. Februar 2015 ist es wieder soweit. Dann soll es u. a. eine Vollzugsmeldung geben – „Problem gelöst, Bernau ist ohne Abwasser“.

W. Kraffczyk

Tino Eisbrenner mit seinem musikalischen Begleiter.
Die Akteure des Abends im Chor.