21. Oktober 2015

Bernauer gedenken des Ehrenbürgers ihrer Stadt

Der Vorsitzende des Stadtverbandes DIE LINKE. Bernau, Thomas Sohn, während seiner Ansprache. Michaela Weigand (r.), stellv. Bürgermeisterin, vertrat Bürgermeister Stahl.
An die 50 Bürgerinnen und Bürger Bernaus wohnten der Gedenkveranstaltung bei.
Das Bürgerbüro der LINKEN war zur Eröffnung der Ausstellung über Konrad Wolf sowie zur Filmvorführung bis auf den letzten Platz besetzt.

Die Bernauer Linken und der Niederbarnimer Kulturund e. V. hatten anlässlich des 90. Geburtstages des Antifaschisten und renommierten Filmemachers Konrad Wolf am 20. Oktober zu einer nachdenklichen Veranstaltung eingeladen. Stadtvorsitzender Thomas Sohn skizzierte in seiner Rede den Lebensweg Konrad Wolfs vom Flüchtlingskind der Nazizeit bis zum Präsidenten der Akademie der Künste der DDR. Er würdigte ihn als wahrhaften Internationalisten und engagierten Streiter für den Frieden, der die Kunst als Vermittler zwischen den Generationen und Völkern betrachtete.
Nach dem ehrenden Gendenken an der Stele im Stadtpark, an der, in Vertretung des Bürgermeisters,  seine Stellvertreterin Michaela Waigand Blumen niederlegte, wurde im Bürgerbüro der LINKEN eine Ausstellung über den Ehrenbürger der Stadt eröffnet.
Zum Abschluss brachte die Filmdokumentation „Die Zeit, die bleibt“ das Leben und Wirken Konrad Wolfs als Antifaschist, herausragender Filmemacher und Präsident der Akademie der Künste der DDR  noch einmal näher. Mehr als 50 interessierte Gäste waren der Einladung gefolgt.

Konrad Wolf – Vom Flüchtlingskind zum Präsidenten der Akademie der Künste der DDR
Diesen Lebensweg zeichnet die Ausstellung über Konrad Wolf im Bürgerbüro der LINKEN in Bernau nach.
"Verzeiht, dass ich ein Mensch bin - und kein Held", müsste man hinzufügen. Dies schrieb der Schriftsteller Friedrich Wolf einst an seine Söhne Konrad und Markus Wolf.
Da war die Familie jüdischer Herkunft schon auf der Flucht aus Deutschland. Nach Versuchen des Vaters, 1933 in der Schweiz und Frankreich Asyl zu finden, traf die Familie 1934 in der Sowjetunion wieder zusammen. In Moskau fanden sie eine neue Heimat.
Der neunjährige Konrad – ein Flüchtlingskind – vertrieben aus der schwäbischen Provinz,  lernte russisch, besuchte eine Moskauer Mittelschule und fand dort Freunde fürs Leben. Moskau und die Freunde dort wurden für die Emigranten-Kinder zur Heimat. Sie waren dort, so würde man heute sagen, gut integriert.
Doch schon 1937 zur Zeit der stalinistischen Säuberungen und erst recht nach dem Überfall der faschistischen Wehrmacht auf die Sowjetunion 1941 ging unter den deutschen Migranten die Furcht um.
Dennoch, als 17jähriger meldete sich Konrad Wolf, wie die meisten seiner Klassenkameraden von der 110. Moskauer Mittelschule, freiwillig zur Roten Armee. Bereit, sein Heimatland gegen die faschistischen Angreifer zu verteidigen. 
Seit Januar 1943 war er als Dolmetscher und Übersetzer in der Politabteilung der 47.  Armee direkt im Fronteinsatz.
Vom Kaukasus, wo er ausgebildet wurde, kämpfte er sich mit seinen Kameraden über die zerstörten Dörfer und Städte der Ukraine, Belorusslands, über das Grauen bei der Befreiung des Konzentrationslagers Maijdanek, das brennende Warschau bis Berlin vor. Viele seiner Mitkämpfer haben den Krieg nicht überlebt.
Am  22. April 1945, der Krieg näherte sich endlich seinem Ende, drückte dem 19jährigen Leutnant Konrad Wolf sein Kommandeur vor den Toren Bernaus, an der Straße nach Wilmersdorf, einen handgeschriebenen Prikas in die Hand. „Ich ernenne Leutnant Konrad Wolf zum Stadtkommandanten von Bernau bei Berlin.“
Seinen argen Weg durch den Krieg bis in das für ihn fremde, zerstörte Deutschland zeichnete er in seinem autobiografischen Film „Ich war 19“ nach, der 1968 in die Kinos kam und zum Teil in Bernau gedreht wurde.
In den Jahren nach dem Krieg war der junge Konrad Wolf als Korrespondent und Referent für Kulturaufbau in der sowjetischen Besatzungszone tätig. Nach seinem Regie-Studium an der renommierten Filmhochschule in Moskau begann seine Laufbahn als Regisseur bei der DEFA in Babelsberg. Von 1954 bis 1981 drehte er 15 Filme, darunter so bedeutsame und international anerkannte wie „Sterne“, „Prof. Mamlock“, nach einem Drama seines Vaters Friedrich Wolf, „Der geteilte Himmel“, nach einem Buch von Christa Wolf, aber auch „Solo Sunny“, der 1979 mit dem Silbernen Bären der Berliner Filmfestspiele ausgezeichnet wurde.

Konrad Wolf betrachtete die Kunst immer als eine der edelsten Gesten des Vertrauens zwischen den Menschen. Diesem Credo ist er in seinem Leben und künstlerischen Schaffen stets treu geblieben. Von 1965 bis zu seinem Tod 1982 wirkte er als Präsident der Akademie der Künste der DDR in schwierigen politischen Auseinandersetzungen, stets um Verständnis für die Rolle der Kunst und der Künstler bemüht, was ihm zu seinem Bedauern nicht immer gelang.
1975 wurde er zum Ehrenbürger der Stadt Bernau bei Berlin ernannt.
Eine Stele am Stadtpark und ein Relief des Bildhauers Werner Stötzer erinnern in Bernau an ihn.
M. Ziemann

Die Ausstellung kann bis zum 20. November 2015 im Bürgerbüro der LINKEN in Bernau b. Berlin,  Berliner Str. 17, zu den folgenden Öffnungszeiten besichtigt werden: Di. und Do. von 9 – 17 Uhr, Fr. von 9 – 12 Uhr