31. Mai 2010

"Sie kommen nicht durch!" ...

Eine bunte Sitzblockade...
Lesung aus der Bibliothek der verbrannten Bücher - hier mit Margot Ziemann, Mitglied der Bernauer Stadtfraktion DIE LINKE
"Der Schoß ist fruchtber noch ..." (B. Brecht)

...lautete der Schlachtruf der rund 500 Demonstranten am 29. Mai in Bernau - und sie kamen nicht durch: Neonazis der "Kameradschaft Märkisch Oder Barnim", die für diesen Tag einen Marsch durch Bernau angemeldet hatten.
Bereits gegen 10.00 Uhr wurde die Kreuzung Breitscheidstraße/Bahnhofsvorplatz durch eine Sitzblockade besetzt. Die Blockierer, die einem Aufruf des Aktionsbündnisses "Brandenburg - nazifrei" gefolgt waren, darunter die Bundestagsabgeordneten der LINKEN Dagmar Enkelmann und Sabine Stüber, Mitglieder des Bernauer und Eberswalder Stadtverbandes, der Panketaler und anderer Basisorganisationen der LINKEN aus dem Umland, bekundeten durch Transparente, Plakate und Sprechchöre ihre Entschlossenheit, den Neonazis weder in Bernau noch in anderen Orten Brandenburgs den öffentlichen Raum zu überlassen. "Kein Ort für Neonazis in Bernau", "Bunt statt braun", "Deine Stimme gegen rechts" u. a. Losungen waren zu sehen. Die Aktion wurde durch Musik und einem kleinen Kulturprogramm begleitet. So wurde auf Initiative der LINKEN eine "Lesung aus der Bibliothek der verbrannten Bücher" - Bücher, die die Nazionalsozialisten 1933 öffentlich dem Scheiterhaufen übergaben - veranstaltet.

Ungeachtet des äußerlich fröhlichen Treibens der Antifaschisten entging dem aufmerksamen Beobachter die permanente Anspannung nicht. Das Areal war durch eine Hundertschaft bewaffneter Polizei abgeriegelt. Gegen 13.30 Uhr wurden die Demonstranten dann auch vom Polizeidirektor dreimal aufgefordert, die Straße für den genehmigten Naziaufmarsch zu räumen. Niemand folgte diesem Aufruf, obwohl das weitere Vorgehen der Polizei nicht abzuschätzen war.

Letztlich war es wohl die Gewissheit, auf der richtigen Seite zu stehen, der Wille, den "Anfängen zu wehren", das Gefühl nicht allein zu sein, die zum Ausharren führten.
Und doch war die Erleichterung aller Beteiligten spürbar, als kurz nach 14.00 Uhr der Ruf ertönte: "Sie hauen ab!" Jubel ertönte, als in der Ferne das Abrücken der ca. 80 schwarz gekleideten Neonazis in Richtung Bahnhofsgebäude auszumachen war. Wie sich später herausstellte, hatte sich die Polizei aus Gründen der Verhältnismäßigkeit gegen eine gewaltsame Räumung der Straße entschieden und der "Kameradschaft" eine Kundgebung auf dem Busbahnhof nahe gelegt, was diese ablehnte.

Was bleibt ist die Erkenntnis, dass Einigkeit stark macht und den Rechten der Weg versperrt werden kann. Nur schade, dass es in einer Stadt mit mehr als 35.000 Einwohnern nur 500 statt 5.000 Gegendemonstranten gab.

Siehe dazu auch Pressemitteilung von D. Enkelmann, MdB: "Enkelmann fordert Verbot von NPD und rechtsextremer Kameradschaft"

Weitere Infos: http://www.brandenburg-nazifrei.de
Siehe auch Video unter http://www.youtube.com/watch?v=-YgGL0QJuvM

 

Farbenfrohes...
... dichtes Gedränge.