21. Februar 2013

Pfeile flogen in Bernau

Linksfraktion der Stadt rief zum 4. Politischen Aschermittwoch, diesmal am Freitag

Die Mitwirkenden

Die Pfeile sollten fliegen, versprach das Motto des bereits 4. Politischen Aschermittwochs der Stadtfraktion der LINKEN in der berlinnahen Stadt Bernau. Um jeder touristischen Verwechslung vorzubeugen, wurde am Freitagabend im bis zum letzten Stehplatz besetzten "Ofenhaus" nur amtsoffiziell von "Bernau bei Berlin" gesprochen.
 
Und die Pfeile flogen, besonders scharfe auf den seit gefühlt fünfzig Jahren amtierenden Bürgermeister der Stadt. Dessen Kabarettfigur namens Branzke (das "B" mehr als "P" lesen) führt inzwischen ein veritables Eigenleben. Mal doziert er vor den zu Statisten degradierten Stadtverordneten über eine gewichtige "Informationsvorlage", die der Frage nachgeht, wo wohl das Zentrum der Stadt sei. Mal gewährt er bei der ungeliebten Bürgerfragestunde nur knieenden Bittstellern eine kurze Audienz. Höhepunkt der Entblätterung war der Auftritt des jungen Sachkundigen Dominik Rabe, der den Songklassiker "Something Stupid" zur Hymne eines realitätsentrückten Politikers umfunktionierte. Da gab's zu recht eine spontan erklatschte Zugabe.
 
Über die Wirksamkeit von Satire konnte man am Freitagabend schon ins Grübeln kommen. Bei nicht wenigen Pfeilsalven drängte sich der nicht zufällige Eindruck auf, sie schon ein oder gar zwei Jahre zuvor auf der Bühne fliegen gesehen zu haben: Ewig scheinen die Geschichten um die Baustelle Bahnhof zu währen oder die absurden Debatten um den Parkplatz Marktplatz im Zentrum der Stadt. Dort präsentieren in Bernau nicht - wie in normalen Städten - Händler ihre Angebote, sondern Fahrzeuge ihr Blech. Köstlich auch die Gags um ein prestigeträchtiges, aber unnützes Parkhaus oder um eingezäunte Grundstücke, die angeblich für die Feuerwehr reserviert sind.
 
Im Vorjahr war es der kabarettistisch begabten Stadtfraktion gelungen, den ehemaligen Sprecher der "Aktuellen Kamera", Klaus Feldmann, für einen Auftritt zu gewinnen. Das war so überraschend, dass sich manche fragten: Ist er's oder ist er's nicht? Dieses Jahr hatte sich Feldmann ganz in seine Rolle als Sprecher satirischer Stadtnachrichten gefunden. Als Zugabe gab's von ihm noch Gedanken des "alten Fritzen" - Friedrichs des II. - zur Zeit, selbstironisch und mit bestem Timing.

Pfeile schoss auch Dagmar Enkelmann ab. Die Bundestagsabgeordnete und Chefin der Stadtfraktion fragte sich zum Beispiel, warum Josef Ratzinger zurücktrat. Hat er vielleicht bei Gott abgeschrieben? Wenn Steinbrück das Kanzlergehalt nicht reiche, könne er ja Sparkassendirektor werden - aber ob die ihn da nehmen würden? Schließlich sei der Ex-Finanzminister nicht als Rechenkünstler bekannt, habe es in seiner Amtszeit gar geschafft, die Aufnahme neuer Kredite zu verdoppeln.
 
2014 Jahr soll das linke Politkabarett in Bernau am 7. März steigen.