11. Mai 2014

Lasst Vernunft walten!

Nachdenkliche Gedenkfeiern zum Tag der Befreiung

Die Vertreter des Stadtvorstandes der LINKEN Bernaus, Thomas Sohn (l.) und Sören-Ole Gemski (r.) mit dem Vertreter der russischen Botschaft Vasilij Galaktionow, 3. Sekretär (m.).
Sören-Ole Gemski bei seiner Ansprache bei der Feierstunde in Bernau.
Das Blumengebinde des Panketaler Ortsverbandes zum Tag der Befreiung.
Lutz Grieben bei seiner Ansprache vor dem Denkmal im Goethepark in Panketal.

Die Bilder glichen denen, die jährlich am 8. Mai an denselben Orten entstanden - in Bernau am Ehrenmal für die gefallenen Soldaten der Roten Armee, in Panketal am Denkmal im Goethepark, in Wandlitz auf dem Dorfanger und anderswo. Die Bürgerinnen und Bürger folgten vielfach den Aufrufen der LINKEN und anderer demokratischer Kräfte, den Tag der Befreiung vom Faschismus und des Endes des Zweiten Weltkrieges zu begehen und der Millionen Opfer zu gedenken. Doch angesichts der Krise in und um die Ukraine waren die Aufrufe, nie wieder Krieg zuzulassen, in diesem Jahr spürbar konkreter.
So erinnerte der stellvertretende Vorsitzende des Bernauer Stadtverbandes der LINKEN, Sören-Ole Gemski, in seiner Ansprache nicht nur an den bevorstehenden 100. Jahrestag des Beginns des Ersten Weltkrieges und den 75. Jahrestag des Beginns des Zweiten Weltenbrandes, sondern wies darauf hin, dass das, „was wir in diesem Frühjahr 2014 erleben, in erschreckender Weise vergleichbar mit dem Frühjahr und Sommer 1914“ sei. Die Welt schlittere „von einer politisch-militärischen Krise in die nächste.“ Notwendige Deeskalation werde durch politische und militärische Provokationen konterkariert. „Kurzsichtige ökonomische und geopolitische Interessen gefährden den Frieden in Europa und weltweit“, warnte der Redner. Er rief dazu auf die Stimme zu erheben gegen Kriegstreiberei, gegen Völkerhass, gegen Rassismus, gegen Antisemitismus und gegen jeglichen Versuch das friedliche Leben zwischen Menschen zu gefährden. „Lasst uns Vernunft walten lassen“, so Gemski, um dann ein Gedicht von Friedrich Schorlemmer zu zitieren, das mit den Worten beginnt:

„Dein Feind braucht Frieden.
Du brauchst Frieden.
Mit ihm.

Darum:
Besser schlecht miteinander gesprochen
als gut aufeinander geschossen.“

Auch in Panketal schlug der Redner, stellvertretender Sprecher des Ortsverbandes der LINKEN Lutz Grieben, zur Gedenkveranstaltung am Denkmal im Goethepark einen Bogen von den Schrecken des Zweiten Weltkrieges zur gegenwärtigen Entwicklung in der Ukraine. Es gebe zu denken, wenn in der Berichterstattung zur Ukraine erneut das Schreckgespenst der „kriegerischen Russen“ an die Wand gemalt und mitunter sogar ein dritter Weltkrieg als mögliches Szenario beschworen werde. „Unsere Antwort ist die Forderung: Nie wieder Krieg!“, hob der Redner hervor. Deshalb sei die Wahrung des Gedenktages am 8. Mai eine dringende Notwendigkeit.
Schade, dass in Panketal, Ahrensfelde und Werneuchen DIE LINKE bei ihren Gedenkveranstaltungen weitgehend unter sich blieb. Der Ortsverband der SPD in Panketal hatte z. B. die Einladung zu einer gemeinsamen Veranstaltung unbeachtet gelassen.
W. Kraffczyk