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Gedenken an die Opfer des Faschismus

Unter den Teilnehmern Bürgermeister A. Stahl (l.) und die SVV-Mitglieder D. Enkelmann (m.) und D. Rabe
Unter den Teilnehmern Bürgermeister A. Stahl (l.) und die SVV-Mitglieder D. Enkelmann (m.) und D. Rabe

Am 13. September fand am Denkmal für die Opfer des Faschismus auf dem Bahnhofvorplatz in Bernau auf Initiative des Territorialen Bündnis, dem die Stadtorganisation der Partei DIE LINKE angehört, eine Gedenkveranstaltung statt. Weit über 100 Bürger*innen waren dem Aufruf gefolgt.
Mit beeindruckenden Worten erinnerten die Sprecher an das Schicksal von Bürgern des unteren Barnims während der NS-Zeit und im 2. Weltkrieg. Zu jenen gehörten u.a. auch Sinti und Roma. Am 13. März 1943 wurden aus Bernau 64 Sinti vom Bahnhofsplatz in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert. 46 von ihnen sind umgebracht worden. Dr. Dieter Korczak umriss den Leidensweg der Familie Max Friedrich, eines Instrumentenhändlers der Stadt, die den Tod der Ehefrau und Mutter sowie der kleinen Tochter im Vernichtungslager beklagen musste. Bemühungen von Max Friedrich um Entschädigung seit Mitte der 50er Jahre blieben erfolglos - im Nachkriegs-Deutschland haben sich die Vorurteile gegen Sinti und Roma weiter gehalten und haben Wiedergutmachung durch Justiz oder Finanzverwaltung massiv behindert.
Abschließend betonte der Redner die mahnenden Worte: "Verbrechen wie an Max Friedrich und an den Sinti und Roma verübt, dürfen sich nicht wiederholen. ...Wir wollen ihr Schicksal nicht vergessen. Es soll uns eine ewige Mahnung für unser Denken und Verhalten sein."

M. Günther (r.) bei seiner Gedenkrede
M. Günther (r.) bei seiner Gedenkrede

Die Abschlussrede hielt unser stellv. Landesvorsitzender der LINKEN, Martin Günther, Mitglied des Stadtvorstandes. Zu Beginn erinnerte er an die Worte Berthold Brechts: "Der Schoß ist fruchtbar noch aus dem das kroch!" - rassistische Hetze werde wieder in Teilen der Bevölkerung widerspruchslos hingenommen, in Parlamenten werde mal mehr, mal weniger verblümt gehetzt, Errungenschaften der Frauenbewegung würden offen von rechts infrage gestellt. Sodann zitierte er Erich Kästner: "Die Ereignisse von 1933 bis 1945 hätten spätestens 1928 bekämpft werden müssen. Später war es zu spät. Man darf nicht warten, bis der Freiheitskampf Landesverrat genannt wird. Man darf nicht warten, bis aus dem Schneeball eine Lawine geworden ist. Man muss den rollenden Schneeball zertreten." Und der Redner ergänzte: "Als ersten Schritt müssen wir Faschisten als das bezeichnen, was sie sind: Faschisten."
Hoffnungsvoll stimme ihn die Tatsache, dass es fast überall, wo Faschisten zusammenkommen, Widerstand gibt. Doch allein durch Widerstand seien die Faschisten nicht aufzuhalten, es brauche mehr. "Schon der Schwur von Buchenwald war da klar. Wir müssen an starken Bündnissen arbeiten, wie wir sie schon gesehen haben mit dem Bündnis 'Unteilbar', in dem Gewerkschaften, Umweltverbände, Sozialverbände, Sportvereine, Frauengruppen, religiöse Organisationen und viele mehr zusammen gewirkt haben gegen die Spaltung der Gesellschaft von rechts. Diese gesellschaftlichen Bündnisse sind nicht nur ein Bollwerk gegen rechts, sie können auch der Nukleus eines nötigen sozial-ökologischen Systemwandels sein, der uns dem Ziel des Schwurs von Buchenwald: dem Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit näher bringt."

Anschließend wurden am Denkmal Blumen niedergelegt - "Ein Blumenmeer zum Gedenken", wie das "Barnim-Echo" vom 14. September eine dreizeilige Meldung über das Ereignis überschrieb.
W. K.


Beim Niederlegen der Blumen
Das mit Blumen geschmückte Denkmal.

Auch in Eberswalde wurde der Opfer des Faschismus am 13. September gedacht. Mit dabei: Unser Landtagsabgeordneter und Vorsitzender der Linksfraktion Sebastian Walter (2.v.r.), die Vorsitzende des Kreisverbandes der Partei DIE LINKE Isabelle Czok-Alm (r.) und der Vorsitzende des Eberswalder Stadtvorstandes der LINKEN.
Ihr Motto: Gedenken heißt auch dafür zu sorgen, dass sich die Geschichte nicht wiederholt.